World Economic Forum: Unternehmen sollten Arbeit für KI neu gestalten
Künstliche Intelligenz verändert die Arbeitswelt, doch Unternehmen sollten nicht einfach möglichst viele bestehende Aufgaben automatisieren. Ein aktueller Beitrag auf der Plattform des World Economic Forum zeigt anhand von Erfahrungen aus China, dass nachhaltige Produktivitätsgewinne vor allem dann entstehen, wenn Unternehmen ihre Arbeitsprozesse rund um KI neu gestalten.
Erst Prozesse verbessern, dann KI einsetzen
Dabei wird in drei Phasen der Entwicklung unterschieden: Zunächst übernimmt oder beschleunigt KI bestehende Aufgaben. Danach arbeiten Menschen und KI innerhalb neu gestalteter Prozesse zusammen. Schließlich können daraus neue Tätigkeiten und Geschäftsmodelle entstehen. Ian Lee von der Adecco Group bringt die Herausforderung auf den Punkt: „You cannot have AI in a bad process.“ Unternehmen sollten deshalb zuerst verstehen, wie Arbeit tatsächlich abläuft, wo Verantwortung liegt und an welchen Stellen menschliches Urteilsvermögen notwendig bleibt. Erst danach sollte entschieden werden, welche Aufgaben KI übernehmen kann.
Fachwissen gewinnt an Bedeutung
Interessant ist auch, welche Mitarbeiter laut World Economic Forum künftig besonders wertvoll werden. Unternehmen benötigen demnach nicht nur KI Experten. Gefragt sind Menschen, die ihr Fachgebiet und die internen Prozesse sehr gut verstehen und dieses Wissen mit KI Kompetenz verbinden können. Beispielhaft wurde ein Prozess aus dem Finanzbereich genannt, bei dem Fachkräfte selbst einen KI gestützten Arbeitsprozess entwickelten. Sie waren dazu besonders gut in der Lage, weil sie den geschäftlichen Kontext besser verstanden als ein separates technisches Team.
Automatisierung kann wichtige Lernwege zerstören
Eine weitere Erkenntnis: Ein besonderes Risiko entsteht bei Berufseinsteigern. Gerade einfache Aufgaben lassen sich gut automatisieren, doch genau diese Tätigkeiten dienten bisher häufig dazu, Erfahrungen zu sammeln und professionelles Urteilsvermögen zu entwickeln. Wenn KI diese Aufgaben bald vollständig übernimmt, können Unternehmen kurzfristig effizienter werden, gleichzeitig aber die Ausbildung zukünftiger Fachkräfte und Führungskräfte schwächen.
Die zentrale Botschaft lautet deshalb: KI ist nicht nur ein Technologieprojekt. Prozessgestaltung, Weiterbildung und Mitarbeiterentwicklung müssen Teil der KI Strategie werden, oder wie es die Autoren formulieren: „Workforce infrastructure is becoming part of AI infrastructure.“ Für Unternehmen bedeutet das, nicht nur zu fragen, welche Arbeit KI übernehmen kann. Entscheidend ist, wie Menschen und KI künftig sinnvoll zusammenarbeiten und welche menschlichen Fähigkeiten dabei erhalten und weiterentwickelt werden müssen.





