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Bundesregierung: KI verändert den Berufseinstieg, verdrängt aber bislang keine Jobs systematisch

Künstliche Intelligenz übernimmt zunehmend Aufgaben, die bislang häufig Berufseinsteiger erledigten. Einen systematischen Abbau von Arbeitsplätzen durch KI sieht die Bundesregierung in Deutschland bislang jedoch nicht. Das geht aus ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage der AfD Fraktion hervor. Für Unternehmen gewinnen vor allem neue Qualifikationen und die Anpassung von Juniorstellen an Bedeutung.

KI verändert vor allem Aufgaben

Ausgangspunkt der Anfrage sind unter anderem Zahlen des ifo Instituts. Demnach setzen bereits 14 Prozent der Unternehmen KI für Aufgaben ein, die bislang häufig von Berufseinsteigern erledigt wurden. Weitere 40 Prozent erwarten dies innerhalb der kommenden drei Jahre. Unter den Unternehmen, die KI bereits einsetzen, hält es knapp ein Fünftel für leicht oder sehr leicht, Hochschulabsolventen teilweise durch geringer qualifizierte Beschäftigte mit KI Unterstützung zu ersetzen. Rund 15 Prozent sehen die Möglichkeit, Berufserfahrung teilweise durch KI Unterstützung zu kompensieren.

Die Bundesregierung sieht dennoch keine Belege für einen systematischen Beschäftigungsabbau. „KI ersetzt in aller Regel nicht ganze Berufe, sondern verändert und verschiebt Aufgaben innerhalb von Berufen“, heißt es in der Antwort. Auch schlechtere Arbeitsmarktchancen junger Menschen lassen sich nach Einschätzung der Bundesregierung nicht eindeutig auf KI zurückführen. Die Effekte seien schwer von wirtschaftlicher Schwäche und anderen strukturellen Veränderungen zu trennen.

Berufseinsteiger können von KI profitieren

Für Unternehmen besonders relevant ist die Einschätzung zur Produktivität. Die Bundesregierung verweist auf Forschung, wonach KI Produktivität und Qualität steigern kann. Weniger erfahrene Beschäftigte könnten besonders profitieren, weil sie schneller lernen und Leistungsunterschiede gegenüber erfahrenen Kollegen reduzieren können.

Damit verschieben sich jedoch die Anforderungen. Routinetätigkeiten verlieren an Bedeutung, während Mitarbeiter zunehmend in der Lage sein müssen, Ergebnisse von KI Systemen zu bewerten und kritisch zu überprüfen. Entscheidend für einen erfolgreichen Einsatz seien deshalb neben der Technik der Kompetenzaufbau, die Beteiligung der Beschäftigten und eine transparente Führung.

Unternehmen brauchen weiterhin Juniorstellen

Trotz Automatisierung hält die Bundesregierung Nachwuchspositionen weiterhin für notwendig. „Unternehmen werden auch künftig in die Besetzung von Juniorstellen sowie in strukturierte Ausbildungs und Einarbeitungsformate investieren müssen“, heißt es in der Antwort.

KI könne die Einarbeitung sogar beschleunigen. Berufseinsteiger könnten schneller an anspruchsvolles Fachwissen und Projektverantwortung herangeführt werden. Bestimmte Aufgaben sollten sie dennoch selbst erledigen, damit sie eigenes Urteilsvermögen entwickeln und KI Ergebnisse kompetent beurteilen können.

Die Bundesregierung betont deshalb: „Investitionen in Qualifizierung und Weiterbildung sind daher genauso wichtig wie Investitionen in die technische Infrastruktur.“ Weniger auszubilden wäre angesichts der demografischen Entwicklung kurzsichtig, da die heutigen Auszubildenden die Fachkräfte von morgen seien.

Kein nachgewiesener Lohndruck

Auch für einen bereits bestehenden Lohndruck auf Hochschulabsolventen durch KI sieht die Bundesregierung keine belastbaren Belege. Zwar könnte die Substitution menschlicher Arbeit theoretisch die Nachfrage nach Absolventen und damit deren Löhne reduzieren. Die vorliegenden Befragungen zeigen jedoch lediglich, welche Möglichkeiten Unternehmen theoretisch sehen. Tatsächlich ersetzte Arbeitskräfte oder bereits eingetretene Lohneffekte werden damit nicht gemessen.

Gleichzeitig seien KI Kompetenzen knapp und teuer. Unternehmen benötigten eine funktionierende Zusammenarbeit zwischen Mensch und KI, um Produktivitätssteigerungen zu erzielen. Gerade die KI Kompetenzen von Hochschulabsolventen müssten deshalb gestärkt werden. Die Bundesregierung setzt entsprechend auf Weiterbildung. Bis 2030 soll die Weiterbildungsbeteiligung um elf Prozentpunkte auf 65 Prozent steigen.

Für Unternehmen lautet die zentrale Botschaft der Antwort damit: KI macht Berufseinsteiger nicht überflüssig, verändert aber ihre Rolle. Einfache Aufgaben können automatisiert werden, während Fachwissen, Urteilsvermögen und der kompetente Umgang mit KI wichtiger werden. Unternehmen stehen deshalb vor der Aufgabe, Juniorstellen nicht lediglich abzubauen, sondern sie an die veränderte Arbeitswelt anzupassen.