Apollo 2 – Apptronik

Apollo 2 ist die aktuelle Generation der humanoiden Roboterplattform des US-amerikanischen Robotikunternehmens Apptronik aus Austin, Texas. Der Roboter ist als universell einsetzbare, KI-gestützte Arbeitsplattform für Unternehmen konzipiert und kann je nach Einsatzgebiet mit zwei Beinen oder mit einer mobilen Radbasis ausgestattet werden. Die humanoide Bauform soll es Apollo ermöglichen, Arbeitsplätze, Werkzeuge und Infrastrukturen zu nutzen, die ursprünglich für Menschen entwickelt wurden.

Die ursprüngliche Apollo-Plattform wurde im August 2023 vorgestellt. Apollo 2 wurde am 30. Juni 2026 offiziell präsentiert. Nach Angaben von Apptronik war Apollo 2 zu diesem Zeitpunkt allerdings bereits seit mehr als einem Jahr als Arbeitsplattform im Robot Park und an Kunden- beziehungsweise Partnerstandorten im Einsatz. Apollo 2 dient insbesondere der Datenerfassung, dem Training von Robotik-KI und der Durchführung größerer Pilotprojekte. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse und Daten fließen in die Entwicklung des als kommerzielles Folgeprodukt vorgesehenen Apollo 3 ein.

Apollo 2 kombiniert humanoide Manipulation, Sensorik, Wahrnehmungssysteme und eine modulare Fortbewegung mit KI. Apptronik arbeitet hierfür unter anderem mit Google DeepMind zusammen. Daten aus Apollo-Einsätzen werden für die Weiterentwicklung von Gemini Robotics und anderen Modellen für sogenannte Embodied AI genutzt. Neben autonom ausgeführten Aufgaben kommt bei der Datenerfassung auch Teleoperation zum Einsatz.

Vorteile des Apollo 2

  • Flexible Mobilität: Apollo 2 ist sowohl in einer zweibeinigen als auch in einer Variante mit Radbasis verfügbar. Die zweibeinige Version ist für komplexe, auf Menschen ausgelegte Umgebungen interessant. Die Radbasis kann dagegen bei standardisierten industriellen Abläufen Vorteile bei Stabilität, Effizienz und Sicherheit bieten.
  • Für bestehende Arbeitsumgebungen konzipiert: Durch seine menschenähnliche Bauform soll Apollo vorhandene Arbeitsplätze, Maschinen, Transportmittel und Werkzeuge nutzen können, ohne dass Unternehmen jede Umgebung vollständig für klassische Industrieroboter umbauen müssen.
  • Modulares Konzept: Unternehmen beziehungsweise Apptronik können die Mobilitätskonfiguration an den jeweiligen Einsatzzweck anpassen. Dadurch ist die Plattform flexibler als ein ausschließlich zweibeiniger Humanoid.
  • Wechselbare Akkus: Apollo 2 verwendet austauschbare Akkus. Apptronik beschreibt das System als für einen Betrieb von bis zu 7 x 22 Stunden ausgelegt, wenn Akkus entsprechend gewechselt werden. Zusätzlich unterstützt die Plattform Zwischenladen und eine kabelgebundene Stromversorgung.
  • Hohe Effizienz der Aktuatoren: Apptronik gibt für seine patentierte Aktuatorplattform einen konstruktiven Wirkungsgrad von mehr als 90 Prozent an. Die Aktuatoren sollen außerdem auf Wartbarkeit, Skalierbarkeit und industrielle Massenfertigung ausgelegt sein.
  • Interaktion mit Menschen: LED-Anzeigen, Beleuchtung, Sprach- und Hörfunktionen sowie ein Display im Brustbereich informieren beispielsweise über Status, Akkustand, Ladezustand und Aufgabenfortschritt.
  • Sicherheitskonzept für gemeinsame Arbeitsbereiche: Apollo 2 verfügt laut Apptronik über hardwarebasierte Sicherheitszonen. Eine definierte Impact Zone kann Bewegungen stoppen, während eine konfigurierbare Perimeter Zone das Verhalten des Roboters in Abhängigkeit von Personen, Hindernissen oder Betriebsmitteln in seiner Umgebung beeinflussen kann.
  • Flottenmanagement: Mit Fleet Connect bietet Apptronik eine Plattform zur Überwachung von Roboterzuständen, Koordination von Aufgaben, Verwaltung von Einsätzen und Auswertung von Betriebsdaten größerer Apollo-Flotten.
  • Erprobung in realen Industrieumgebungen: Apollo-Technologie wird beziehungsweise wurde gemeinsam mit Unternehmen wie Mercedes-Benz, GXO und Jabil in Produktions- und Logistikumgebungen erprobt. Apollo 2 wird außerdem an Kunden- und Partnerstandorten zur Erfassung realer Trainingsdaten eingesetzt.

Nachteile des Apollo 2

  • Noch kein reguläres Serienprodukt für den freien Kauf: Apollo 2 ist nach den verfügbaren Angaben primär eine Plattform für Datenerfassung, Training und größere Kundenpilotprojekte. Apptronik bezeichnet Apollo 3 als die kommende kommerzielle Generation. Unternehmen sollten Apollo 2 deshalb nicht mit einem frei verfügbaren Standard-Industrieroboter verwechseln.
  • Kein veröffentlichter Kaufpreis: Apptronik nennt für Apollo 2 derzeit keinen öffentlichen Listenpreis. Eine belastbare Berechnung des Return on Investment ist ohne ein individuelles Angebot und konkrete Angaben zu Integration, Service und Infrastruktur daher nicht möglich.
  • Keine veröffentlichten Betriebskosten: Zu laufenden Kosten für Wartung, Software, Flottenmanagement, Energie, Ersatzteile und Support veröffentlicht Apptronik keine allgemein gültigen Zahlen.
  • Unvollständiges öffentliches Datenblatt: Die aktuelle Apollo-2-Webseite nennt beispielsweise keine offizielle Laufgeschwindigkeit. Auch mehrere physische Kennzahlen werden dort nicht als vollständiges technisches Datenblatt veröffentlicht. Zahlen früherer Apollo-Versionen sollten deshalb nicht automatisch als unveränderte Apollo-2-Spezifikationen behandelt werden.
  • Begrenzte Laufzeit pro Akku: Laut einer aktuellen Aussage von Apptronik-CEO Jeff Cardenas gegenüber Business Insider erreicht Apollo 2 ungefähr vier Stunden Laufzeit. Für lange Schichten sind daher Akkuwechsel, Zwischenladen oder eine kabelgebundene Stromversorgung erforderlich.
  • Zweibeinige Fortbewegung ist technisch anspruchsvoll: Gegenüber einer Radbasis benötigt ein zweibeiniger Roboter Energie für Stabilisierung und Fortbewegung und besitzt ein grundsätzliches Sturzrisiko. Apptronik selbst erwartet deshalb, dass radbasierte Systeme kurzfristig teilweise einfacher beziehungsweise sicherer einsetzbar sein können.
  • Autonomie befindet sich weiterhin in Entwicklung: Apollo 2 wird zur Erzeugung von Trainingsdaten sowohl teleoperiert als auch autonom betrieben. Unternehmen sollten daher nicht davon ausgehen, dass sämtliche demonstrierten oder trainierten Tätigkeiten bereits vollständig autonom und produktionsreif ausgeführt werden können.

Einsatzmöglichkeiten für Unternehmen

Apollo 2 richtet sich vor allem an Unternehmen aus Produktion, Logistik, Handel und industrieller Intralogistik. Apptronik positioniert die Plattform für Tätigkeiten, bei denen Waren, Behälter, Komponenten oder Werkzeuge bewegt, sortiert, kontrolliert oder für weitere Produktionsschritte bereitgestellt werden.

  • Materialtransport: Transport von Behältern, Komponenten und anderen Gegenständen innerhalb von Produktions- und Logistikumgebungen.
  • Goods-to-Person: Waren oder Behälter können zu einem menschlichen Mitarbeiter beziehungsweise zu einem Arbeitsplatz gebracht werden.
  • Person-to-Goods: Unterstützung bei Arbeitsabläufen, bei denen Waren an unterschiedlichen Lager- oder Produktionspositionen aufgenommen und bewegt werden.
  • Kitting: Zusammenstellung und Bereitstellung von Komponenten oder Materialsätzen für nachfolgende Produktionsschritte.
  • Sortierung und Inspektion: Prüfung, Sortierung und Weiterleitung von Komponenten und Produkten.
  • Versorgung von Produktionslinien: Bereitstellung von Teilen und Material an Arbeitsplätzen und Montagelinien. Mercedes-Benz untersucht beispielsweise den Einsatz von Apollo für die Bereitstellung von Montagesätzen und die gleichzeitige Inspektion von Komponenten.
  • Maschinenbedienung: Apollo kann für wiederkehrende Aufgaben an Maschinen eingesetzt beziehungsweise trainiert werden, darunter das Be- und Entladen von Material, die Überwachung von Anlagen und die Versorgung von Maschinen.
  • Montagevorbereitung und Teilmontage: Bei Jabil wurden für Apollo unter anderem Kitting, Linienversorgung, Platzierung von Vorrichtungen, Inspektion, Sortierung und einfache Teilmontage als Einsatzgebiete definiert.
  • Datenerfassung und KI-Training: Eine zentrale Aufgabe von Apollo 2 ist derzeit die Sammlung realer Bewegungs-, Wahrnehmungs- und Aufgabendaten zur Weiterentwicklung von KI-Modellen für zukünftige humanoide Roboter.

Für Unternehmen ist insbesondere die Fähigkeit interessant, verschiedene Aufgaben mit einer grundsätzlich einheitlichen Roboterplattform abzudecken. Der wirtschaftliche Vorteil eines humanoiden Systems entsteht langfristig vor allem dann, wenn derselbe Roboter flexibel zwischen mehreren Arbeitsprozessen wechseln und bestehende, für Menschen entwickelte Infrastruktur verwenden kann. Bei Apollo 2 muss dieser Vorteil derzeit allerdings im konkreten Pilotprojekt nachgewiesen werden.

Datenblatt Apollo 2

Hersteller Apptronik, Inc., Austin, Texas, USA
Modell Apollo 2
Robotertyp KI-gestützter humanoider Mehrzweckroboter, modular als zweibeinige Version oder mit mobiler Radbasis verfügbar
Preis (Kauf) Nicht öffentlich angegeben. Apollo 2 ist derzeit primär für Datenerfassung und Kundenpilotprojekte vorgesehen und kein regulär angebotenes Serienprodukt mit veröffentlichtem Listenpreis.
Preis (Betrieb) Nicht öffentlich angegeben. Belastbare Angaben zu Wartungs-, Software-, Energie-, Support- und Flottenmanagementkosten liegen nicht öffentlich vor.
Größe Für Apollo 2 veröffentlicht Apptronik auf der aktuellen Produktseite keine exakte Höhe. CEO Jeff Cardenas nannte gegenüber Business Insider rund 6 Fuß, also etwa 1,83 m. Die 2023 vorgestellte erste Apollo-Generation war offiziell 5 Fuß 8 Zoll, rund 1,73 m, groß. Die ältere Angabe sollte nicht ungeprüft auf Apollo 2 übertragen werden.
Gewicht Für Apollo 2 derzeit nicht eindeutig öffentlich spezifiziert. Die ursprüngliche Apollo-Version wurde mit 160 lb beziehungsweise rund 72,6 kg angegeben. Eine offizielle Bestätigung dieses Gewichts für Apollo 2 liegt auf der aktuellen Produktseite nicht vor.
Traglast Bis zu 55 lb beziehungsweise rund 25 kg mit beiden Händen laut aktueller Aussage des Apptronik-CEO zu Apollo 2.
Laufgeschwindigkeit Nicht öffentlich spezifiziert. Apptronik veröffentlicht derzeit keine belastbare offizielle Laufgeschwindigkeit für Apollo 2.
Batterielaufzeit Rund 4 Stunden pro Akku laut aktueller Aussage des Apptronik-CEO. Wechselbare Akkus, Zwischenladen und kabelgebundene Stromversorgung werden unterstützt. Apptronik beschreibt das Energiesystem als für einen Betrieb von bis zu 7 x 22 Stunden mit entsprechenden Akkuwechseln ausgelegt.
Einsatzbereich Produktion, Logistik, Intralogistik, Handel, Materialtransport, Kitting, Sortierung, Inspektion, Packout, Maschinenbedienung, Linienversorgung sowie Datenerfassung und Training von Robotik-KI
Besonderheiten Modulare zweibeinige oder radbasierte Konfiguration, humanoide Manipulation, patentierte Apptronik-Aktuatoren, wechselbare Akkus, Zwischenladen, kabelgebundener Betrieb, LED-Kommunikation, Sprach- und Hörfunktionen, Brustdisplay, konfigurierbare Sicherheitszonen, Fleet Connect für Flottenmanagement, Zusammenarbeit mit Google DeepMind und Einsatz als Trainingsplattform für Embodied AI

Fazit

Apollo 2 ist eine technologisch interessante humanoide Plattform für industrielle Automatisierung, befindet sich aber noch vor der Phase eines breit verfügbaren Serienprodukts. Besonders relevant für Unternehmen sind die Kombination aus humanoider Manipulation, zweibeiniger oder radbasierter Mobilität, wechselbaren Akkus, Flottenmanagement und die Möglichkeit, bestehende Arbeitsumgebungen zu nutzen. Apollo-Technologie wird bereits in realen Industrie- und Logistikumgebungen mit Partnern wie Mercedes-Benz, GXO und Jabil erprobt.

Gleichzeitig sollten Unternehmen den aktuellen Entwicklungsstand berücksichtigen. Für Apollo 2 fehlen ein öffentlicher Kaufpreis, veröffentlichte Betriebskosten und mehrere technische Detailangaben. Zudem dient diese Generation ausdrücklich als Plattform für Datenerfassung, KI-Training und Kundenpilotprojekte. Die aus Apollo 2 gewonnenen Daten und Erfahrungen sollen die Grundlage für Apollo 3 als kommende kommerzielle Generation bilden. Apollo 2 ist deshalb derzeit vor allem für Unternehmen interessant, die humanoide Robotik frühzeitig in Pilotprojekten evaluieren und gemeinsam mit Apptronik konkrete industrielle Anwendungen entwickeln möchten.